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Stilfreiheit vs. Traditionalismus

Dominic Schafflinger • 11. Februar 2019

Gedanken zur Abkehr von Traditionen in der Kampfkunst...

Traditionelle Kampfkunst

Im Regelfall ist das Bild, dass der Durchschnittsbürger von Kampfkunst hat jenes: Menschen in weißen Trainingsgewändern, der Insider kennt diese als Gi‘s, und bunten Gürteln. Ständige Verbeugungen voreinander und vor dem Lehrer, bzw. vor den Fotos längst verstorbener Asiaten. Aber auch jenes, welches Asiaten in bunten Seidengewändern zeigt, die sich gemeinschaftlich in der Idylle eines (meist chinesischen) Parks im Zeitlupentempo hinter einem Vorturner herbewegen und dabei allerlei lustige Posen einnehmen, denen im Auge des unbescholtenen Betrachters zwar eine gewisse Schönheit innewohnt, aber doch nichts mit Kampf zu tun haben. Der Insider wird in diesen Beschreibungen unschwer folgern, dass es sich hier um Karate bzw. Judo (ja es gibt noch mehr japanische Kampfkünste auf die dieses Bild passt) und bei zweiterem um Taijiquan handelt. Er wird auch wissen, dass diese Stereotypen nicht viel mit Tradition innerhalb der Kampfkünste am Hut haben, reicht diese doch stets um einiges tiefer.

Nun gibt es jene zweite Gruppierung, die mit MMA ihre bekannteste Ausprägung hat, sie nennt sich stilfrei und nimmt gemäß dem Motto Bruce Lees „Adapt what is useful, reject what is useless, and add what is specifically your own” alles zu Hilfe, welches ihr nützlich in der Auseinandersetzung erscheint. Und war es nicht Bruce Lee, der als erster Stilfreiheit propagierte und den Würgegriff der Tradition in den Kampfkünsten sprengte? Auch viele Wing Chun Stile bzw. Derivate haben in den letzten Jahren mehr oder weniger erfolgreich diesen Weg eingeschlagen, allen voran Victor Guiterrez Wing Revolution oder Heinrich Pfaffs geniales Wing Tai und auch das Kickboxen ist ja nichts anderes als eine Fusion modernen Boxens mit Karate bzw. Taekwondo und hieß als Wettkampfdisziplin in den 1970ern nicht umsonst All Style Karate.

Aber was ist nun dran an den Stilen? Macht es Sinn, einem Stil gebetsmühlenartig zu folgen, oder ist das Gebot der Stunde sich von überall zu holen, was man gerade zu brauchen glaubt? Ich möchte hier eine Lanze für die Traditionalisten brechen, aber trotzdem versuchen, Stilfreiheit nicht als etwas per se negatives darzustellen. Wie immer gibt es Für und Wider.

Zum einen beschert uns unser vernetztes globalisiertes Leben eine ungeheure Vielfalt, wir haben über Youtube beinahe jeden Stil verfügbar, auch die Dichte der Kampfkunstschulen hat gegenüber den 80ern enorm zugenommen, war man früher schon froh, so wie der Autor in seiner Jugend, eine (einigermaßen seriöse) Kampfkunstschule in greifbarer Nähe zu haben, so besteht heute eher das Problem darin, sich für eine entscheiden zu müssen. Hier ist das Wort Stilfreiheit unwahrscheinlich verlockend, glaubt man doch hier alle Konzepte ausreichend näher gebracht zu bekommen und oft ist dies auch der Fall, Selbstverteidigung mit Konzepten des Krav Maga und Wing Chun, vielleicht mit ein bisschen Jujutsu gewürzt, man schwitzt, es macht Spaß und sicherer wird man noch dazu. Als Einstieg für den interessierten und motivierten Laien sind diese Konzepte allemal gut geeignet, und will man sich nur ein paar effektive Selbstverteidigungstechniken holen, so ist dem auch nichts einzuwenden, zumindest falls der Lehrer weiß wovon er spricht. Doch es stellt sich die Frage nach dem danach? Fitness und Selbstverteidigung sind nicht das Ende der Kampfkunst, sie sind meist nur ihr allererster Anfang. Und ähnlich eines Eisberges, können die Allstylisten meist von allem nur die, wenn auch oft effektive, Spitze aufzeigen, eine wirkliche Tiefe ist hier meist nur schwer zu erreichen. Fähigkeiten, die jenseits des Messens in einer gestellten Schulsituation, oder auch einer Selbstverteidigungssituation liegen, erfordern jahrelanges Training in einem bestimmten Bereich der Kampfkunst und hier finden wir die Traditionalisten. Traditionelle Kampfkünste können nun mal nicht alles von Anfang an, sie haben sich innerhalb von Jahrzehnten und Jahrhunderten auf ein Gebiet spezialisiert oder besser gesagt, einen Weg tradiert, der über alle Fähigkeiten der Allsylisten führt, aber nun mal auf Umwegen. Dieser Umweg ist aber nicht umsonst, sondern schafft die richtige Haltung des Schülers um überhaupt in der Lage zu sein, den Weg zur Basis des Eisberges meistern zu können. Nehmen wir hier Wing Chun, wir finden hier Formen, die augenscheinlich nicht der kämpferischen Auseinandersetzung entlehnt sind und darin auch wenig bis keine Anwendung finden, und doch haben sie ihre Berechtigung darin, beispielsweise den Willen des Schülers zu prüfen. Will dieser nur ein paar Techniken für die nächste Straßenschlägerei erlernen, oder ist ihm wirklich an Kampfkunst als Lebenskunst gelegen. Der Prügelknabe wird sich nach den ersten Einheiten schnell wieder vom System abwenden, weil es ihm schlicht zu langweilig ist. Gut so, denn mit solchen Gestalten will der Durchschnittsmensch ja im Normalfall auch nichts zu tun haben. Weiters zeigen uns die Prinzipien des Wing Chun nicht nur, wie ich effektiv kämpfe, sondern auch, wie ich mein Sozial- und Berufsleben besser meistern kann und geht somit über Fitness- und Verteidigungsfähigkeit weit hinaus. Im Taijiquan wird auch erstmal eine Form erlernt die extrem langsam gelaufen wird, dazu kommt in ernstzunehmenden Taijiquan Schulen noch die (meist sehr anstrengende) Standmeditation Zhan Zhuang. Hier liegt der Fokus auf der korrekten Ausrichtung des Körpers und wie Muskeln und Gelenke innerhalb einer Bewegung verschleißarm und effizient zusammenarbeiten. Die langsame Bewegung und die Achtsamkeit, welche für diese benötigt wird, ermöglichen geistige und körperliche Entspannung in durchaus anstrengenden Positionen, so wird innerhalb einer Belastungssituation das hergestellt, was heute als Mindfullness in aller Munde ist.

Aber könnte man dies nun nicht auch innerhalb eines Martial Arts Mixes erreichen? Auf den niederen Stufen der Kunst ist dies sicherlich möglich, allerdings ist es schwer eine hohe Stufe zu erreichen, wenn der Schüler sich ständig mit anderen Dingen „ablenkt“. Traditionelle Kampfkünste bieten hier einen übersichtlichen, wenn auch lebenslangen Weg in einer Sache wirklich gut zu werden und ein Prinzip, an dem ich mich quasi festhalten kann. In diesem Prinzip ist durchaus nicht alles enthalten, was es in der Welt der Kampfkünste gibt, aber es reduziert den Praktizierenden auf etwas, das erlernbar ist, und welches eine kohärente Philosophie mit Bewegung verbindet (dazu im Detail später). So ist es mir möglich, mein Training mit dem Prinzip abzugleichen und auf Fehler zu untersuchen, ohne dass ich jemanden bräuchte, der versucht auf mich einzuprügeln, damit ich meine korrekte Abwehr üben kann. Und wenn ich dann mal falsch liege, muss ich die Treffer ja schlucken, und das so lange, bis ich die Lücke geschlossen habe. Im Wing Chun, Taiji und anderen traditionellen Kampfkünsten fungiert ein solcher Angriff aber nicht als Training, bei dem die Attacke (die ich dann vielleicht 20 mal schlucke) solange abwehre bzw. kontere bis ich es begriffen habe, sondern nurmehr als Test, ob ich richtig trainiert habe. Misslingt der Test, wieder ab ins Training.

Dies bringt mich wieder zur korrekten Haltung. Die Idee, an mir selbst zu arbeiten und nicht daran, wie ich meinen Gegner besiegen kann, lenkt den Fokus aufs Tun an sich und nicht auf den Zweck. Weiters bezeugen Formalitäten und Rituale, welche stilfreie Kampfkünste fast nicht mehr aufweisen eine gewisse Demut vor Lehrer und Stilhaltern, sie erinnern uns daran, dass wir nicht selbst die Größten sind und vermitteln uns Bescheidenheit. Hier steht die Liebe zum Menschen im Vordergrund und nicht der Schutz vor ihnen und der meditative Aspekt zwingt uns, uns mit unseren Schatten auseinanderzusetzen. Oft verleitet uns das Ego dazu, uns eine andere Technik zu suchen, wenn die klassische nicht funktioniert, dies ist einer der Wesenszüge des Stilfreien und aus einer rein anwendungsorientierten Sicht durchaus akzeptabel. Danny Xuan, ein bekannter Wing Chun Meister meinte hierzu: „Wenn dein Tan-Sao nicht funktioniert, dann ist es nicht die Schuld des Tan-Sao, sondern deine, weil du zu wenig geübt hast.“ Auch ihm ist Recht zu geben. Denn oft verbirgt sich hinter der „fehlerhaften“ Technik eine physische oder psychische Blockade, die es lohnt aufzulösen, aber da es hier meist an intimste seelische und köperliche Befindlichkeiten geht, drückt der Schüler sich gerne davor und nimmt den einfacheren und angenehmeren Ausweg, anstatt es wirklich anzupacken und sich seinen Schatten zu stellen. Ich selbst neigte dazu links bei der Abwehr von schweren Angriffen immer einzubrechen, also konzentrierte ich mich aufs Ausweichen und Nachgeben, anstatt mich mit meiner linken Seite zu beschäftigen. Durch Taijiquan lernte ich, dass ich einfach ein verschobenes Becken hatte, wodurch meine linke Schulter ständig von der Muskulatur hochgezogen wurde und ich deshalb keine Struktur aufbauen konnte um den Angriff korrekt abzufangen. Diese Haltungsfehler auszugleichen erfordert jahrelanges regelmäßiges und vor allem aufmerksames Training, da der Körper immer wieder in seine gewohnte Position zurück möchte und genau dies ist es, was traditionelle Kampfkunst von jemandem verlangt, seine Schattenseiten anzupacken und nicht sie geschickt zu umgehen, weil ja noch eine andere Möglichkeit da ist.

Warum kann dies nun nur traditionelle Kampfkunst? Aus dem einfachen Grund, weil sich schon Generationen mit diesem Wissen beschäftigt haben und Wege gefunden haben, dieses Wissen zu vermitteln, vielleicht über Umwege, aber doch als Ganzes. Alles ist vorhanden und es liegt an der Hingabe und Haltung des Schülers es zu heben. Tradierte Stile haben nun nicht nur eine lange Ahnenline von Profis die teilweise über Jahrhunderte das Wissen um eine Kunst stets verfeinerten, sondern es steht auch eine Philosophie dahinter, die noch um vieles älter ist. Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus (2) sind 2500 Jahre alte Lehren, welche uns mittels alter Meister in Bewegung vermittelt werden können und somit nicht nur unseren Körper stärken, sondern auch Geist und Seele fördern und diese in Harmonie zueinander bringen. Dann benötigen wir keine Selbstverteidigung mehr, da wir niemandem eine Ansatz geben uns anzugreifen.

Nun, all diese Dinge können auch von einer modernen Schule der Kampfkunst vermittelt werden, und viele „traditionelle“ Kampfkünste sind in ihrer heutigen Ausprägung erst im letzten Jahrhundert entstanden. Die Gründer dieser Kampfkünste, wie Karate und Yiquan, begründeten diese stets auf die alten Prinzipien und die Entwickler des Neuen waren bereits Meister eines tradierten Kampfstiles, sie waren in ihrem Kulturkreis verhaftet und scheuten Versportlichung und Kampf. Auch wenn es sie auch heute noch gibt, nur wenige Meister verstehen es, Philosophie zu Bewegung werden zu lassen und diese dann noch zu Selbstverteidigungszwecken nutzbar zu machen. Viele verlieren sich im Dickicht unterschiedlichster Ideen, manche predigen zwar Wein und servieren doch nur Wasser. Um das Dunkle Tor zu durchschreiten, wie es Laotse sagt, benötigen wir mehr Wissen als das nur einer Generation und auch wenn sich die Geheimnisse in der Kampfkunst selbst verstecken, so benötigen wir jemanden, der uns zumindest in die Nähe dieses Geheimnisses geleitet, um des dann selbst zu entdecken. Wenn Generationen zuvor es in diesem Stil entdeckt haben, so ist die Chance doch größer selbst dorthin zu gelangen, als wie bei etwas, das von allem ein bisschen nimmt und nichts ganz kann.

Für den Fortgeschrittenen kann es sich übrigens sehr wohl lohnen, sich andere Kampfkünste anzusehen und das eigene System durch die Brille des neuen zu beobachten, denn so kann ersteres unter Umständen noch besser verstanden werden. Beginnt man allerdings dann die Prinzipien zu ändern oder zu mischen, sollte man sich fragen, ob man sich gleichauf mit Bruce Lee, Gichin Funakoshi und anderen befindet. Wing Chun, Karate und Taijiquan können nie gleich aussehen, auch wenn sie sich vielleicht die letzten Prinzipien teilen, aber sie fokussieren sich auf jeweils unterschiedliche Schwerpunkte des Weges. Zumindest alle Inneren Kampfkünste besteigen den selben Berg, doch auch wenn der Gipfel der Selbe ist, so bietet jede Flanke doch gänzlich anderer Wegerfahrungen.

Dominic Schafflinger

Bergheim, den 3.6.2018

Als Taijiquan und Wing Chun Lehrer habe ich natürlich hauptsächlich auf diese Kampfkünste Bezug genommen, alle nicht erwähnten, und das sind viele, seinen mir verziehen.

#Kampfkunst , #MartialArts , #Taijiquan , #Wingchun , #Wingtsun , #Karate , #BruceLee , #KungFu , #MMA

Fußnoten:

(1) Es ist mir ist bewusst, das es sich um einen Kampfsport und keine Kampfkunst handelt

(2) Nur um die bekanntesten zu nennen, neben weiteren aus Asien kommenden Philosophien gibt es bspw. auch im mittelalterlichen Schwertkampf eine überwältigende europäische Philosophietradition, die diesem zu Grunde liegt.

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Im Chen Taijiquan ist es ein zentrales Thema, das eigene Zentrum zu bewahren. Dies meint, nicht seine Mitte zu verlieren und das nicht nur im körperlichen Sinne. Die grundlegende Idee stammt von Laozi, dem Ahnherrn des Daoismus: „Wer andere kennt, ist klug, Wer sich selber kennt, ist weise. Wer andere besiegt, hat Kraft. Wer sich selbst besiegt, ist stark. Wer sich durchsetzt, hat Willen. Wer sich genügen lässt, ist reich. Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer. Wer auch im Tode nicht untergeht, der lebt.“ Die Aspekte die diesem Prinzip zu Grunde liegen sowie deren Umsetzung im täglichen Training sowohl als auch im Leben liegen sind Thema dieses Artikels. Die für unser Thema wichtige Zeile ist hier die Vorletzte: „Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer“. Denn was oder wo ist dieser Platz? Es handelt sich nicht um einen Ort, sondern um unsere Position in uns selbst. Dieser Platz ist unsere Mitte. Die Dauer von der der Alte Weise hier spricht ist nicht in erster Linie eine zeitliche, sondern es ist die Konstantheit des Lebens damit gemeint. Die Kunst man selbst zu bleiben, unbeeinflusst von äusseren Aspekten. Wie wir noch sehen werden hat das aber beides durchaus auch mit unserm materiellen Leben, also mit Zeit und Raum zu tun. Somit könnte man die Übersetzung Wilhelms auch mit: „Wer seine Mitte nicht verliert, der überdauert alle Wirren der Welt“ übersetzen. Somit sehen wir, dass die Stärke, welche aus dem Bewahren unseres Zentrums hervorgeht es uns ermöglicht, die alltäglichen Hochs und Tiefs des Alltages zu bestehen und dabei wir selbst zu bleiben, uns quasi nicht vor Wut zu vergessen, nicht von Angst gelähmt zu werden oder uns von anderen Gefühlen voll vereinnahmen zu lassen. Auch Spaß birgt seine Gefahren wenn er pathologisch wird, denken wir nur daran, welche Freude Drogenabhängige, oder oft ganz einfach nur desillusionierte Jugendliche beim regelmäßigen Konsum schwerer Alkoholika, auf ihrem regelmäßigen Trip erfahren und dann von diesem Gefühl getrieben, von einem Rausch zum nächsten wandern und sich dabei immer weiter von sich selbst und ihren wahren Talenten und ihrem Platz in der Welt weg bewegen. Menschen können sich sogar selbst vergessen, wenn sie allabendlich vor dem Fernseher liegen und davon so paralysiert sind, dass sie nicht einmal merken, dass es für sie gesünder wäre, sich ab und an zu bewegen oder etwas für ihren Geist bzw. ihr Seelenleben zu tun. Das unsere Mitte leicht verloren gehen kann, wissen wir selbst alle aus bester eigener Erfahrung, es braucht uns oft nur jemand auf der Autobahn zu schneiden, oder sich eine familiäre Diskussion zu einem Streit auswachsen, hier sagen oder tun wir Dinge, die wir später bereuen und nie von uns gegeben hätten, wenn wir ein ruhiges Gemüt behalten hätten. Stress ist eines der besten Beispiele unserer Zeit, welches belegt, wie ungesund es auf Dauer ist, sich von seiner Mitte zu entfernen. Sind wir gestresst, sind wir nur mehr im Tun, wir versuchen, uns innerlich zerreißend, überall alles gleichzeitig zu erledigen, somit sind wir energetisch permanent im Aussen, unser Qi zerstreut sich in alle Richtungen ohne zielgerichtet wirken zu können. Deshalb fühlen wir uns nach einem stressigen Tag auch so matt und müde. Wir befinden uns nicht bei uns, daher nicht in unserer Mitte und auch können wir dadurch nicht „dauern“. Da wir im Stress nicht mit unserer Arbeit zurande kommen, die gerade noch vor uns liegt, laufen wir ihr nach und befinden uns somit gedanklich immer in der Zukunft, in der diese und jene Aufgabe noch auf uns wartet. Werden wir gemobbt, löst auch das Stress aus, weil wir nicht in der Gegenwart sein wollen, in der uns Menschen keine positive Energie entgegenbringen, bzw. leiden wir unter der Zukunft, weil wir ja wissen: „Morgen in der Arbeit bekomme ich wieder so richtig eines drauf.“ In Depression und apathische Melancholie können wir wiederum nur verfallen, wenn wir ständig unserer Vergangenheit nachtrauern, unser Gemüt wird hier von den schlechten Erfahrungen die bereits Hinterns liegen gespeist. Wären wir nur in der Gegenwart, hätten diese Erfahrungen keine Macht über uns, schließlich sind sie ja nur in unserer Erinnerung existent. Dauern kann jedoch nur jemand oder etwas, das ganz und gar im Jetzt da ist. Nehmen wir die Chinesische Mauer, könnten wir sagen, sie dauert, wenn sie noch nicht erbaut oder gar nicht mehr da wäre? Eher nicht. Wie sieht das nun in unserer Taijiquan Praxis aus? ENDE DER LESEPROBE... Wenn dich der Artikel neugierig gemacht hat, dann hol dir das Magazin oder schau auf die Seite des Taijiquan und Qigong Journals. Das ganze Magazin mit dem kompletten Artikel findest du hier – https://www.united-kiosk.de/fachzeitschriften/pflege-medizin/taijiquan-qigong-journal/ Hier gehts zur Seite des Taijiquan und Qiging Journals – https://tqj.de Beim Shooting für die Beitragsbilder versuchten wir Stress und das Finden der eigenen Mitte gegenüber zu stellen. Daraus wurde ein unglaublich lustiges Shooting, wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, wenn ihr die Bilder unten betrachtet. Danke wie immer an meine 'Beste Fotografin der Welt' Theresa Hofmüller –  www.theresart.at
Botanik Artikel
von Dominic Gottfried Schafflinger 14. Oktober 2020
Ich präsentiere euch in diese Beitrag vier Möglichkeiten den Geschmack frischer Kräuter mit in den Winter zu nehmen und diese haltbar zu machen.
Arbeitsstipendium 2020 an Dominic Schafflinger verliehen
von Dominic Gottfried Schafflinger 30. Juni 2020
Die Stadt Salzburg vergab am 22.6.2020 den Zuschlag für ein Arbeitsstipendium im Wert von 3000,— Euro an Dominic Schafflinger, der damit sein Projekt zur Entwicklung eines Mindfulness (Achtsamkeits) Workshops für die Horte und Kindergärten der Stadt Salzburg realisieren kann. Damit bekommen Kinder aus allen Gesellschaftsschichten die Möglichkeit an einem Trend zu partizipieren, der in der Psychologie sowie in Human Resources- und Management Prozessen seit Jahren Anwendung findet. Mindfulness trägt zu einer gesteigerten Emotionsregulierung bei, verringert Ängstlichkeit und steigert das Wohlbefinden, durch nichtbewertende Konzentration auf den gegenwärtigen Moment. Ein besonderer Fokus liegt darauf, das Konfliktverhalten der Kinder zu verbessern. Die Workshops gliedern sich nahtlos in die Gewaltpräventions- und Selbstbehauptungsworkshops von Dominic Schafflinger ein, die er seit Jahren für die Magistrate der Stadt Salzburg durchführt. So kann nun vermehrt auch die mentale Seite aktiv gecoacht werden. Dominic Schafflinger will hierfür mit anerkannten Experten auf dem Gebiet zusammenarbeiten. Das Projekt startet nun in die Entwicklungsphase und sollte pünktlich zum Start des Sommersemesters 2021 fertiggestellt sein. Dominic Schafflinger ist Entwickler der „Chinese Mindful Arts“ und Gründer von DAOCONCEPTS, Autor, Gründungsmitglied der „Chinese Martial Arts Union - Salzburg“ und freiberuflicher Lehrer für Kampf-, Bewegungs- und Meditationskunst und zertifizierte WCTAG (World Chen Xiaowang Taijiquan Association Germany) Lehrkraft. Seine Masterarbeit verfasst er gerade zur Kulturgeschichte der Mindfulness. Besonderer Dank gilt Bürgermeister Harald Preuner für die Bereitstellung der finanziellen Mittel, und Vizebürgermeister Bernhard Auinger für die Gewährung des Stipendiums. Dies unterstreicht das Interesse der Stadt an der Einbindung neuer Unterrichtskonzepte in Bildungseinrichtungen und damit in den Alltag der jüngsten Stadtbürger.
von Dominic Schafflinger 16. April 2020
In jeder Trainingseinheit, egal ob alleine, in der Gruppe oder mit Partner, sollten wir immer versuche diese vier Grundsätze der Bewegung berücksichtigt werden. Wir sollten immer wieder achtsam in uns hineinspüren und unseren Körper nach folgenden Grundsätzen ausrichten. Sie stellen die Basis für jedes gelungene Training und jeden Fortschritt innerhalb des Taijiquan dar! 1. Gesunken Wir lassen die Schwere nach unten sinken und sammeln sie nicht in unseren Oberkörpern. Die Knie sind immer gebeugt und wir sollten das Gefühl haben, dass unser Körpergewicht stark auf unsere Fersen drückt. Im geistigen meint das, dass wir immer mit beiden Beinen im Leben stehen und nicht als „Hans guck in die Luft“ herumlaufen sollten, unsere Ziele sollte ambitioniert aber realistisch sein, denn nur träumen bringt uns nicht zu Ziel, sondern, wie in der Taijipraxis, nur ‚harte, ausdauernde Arbeit an uns selbst‘. Dies ist übrigens die Übersetzung des chinesischen Begriffes Kungfu! 2. Entspannt Ohne Entspannung können wir nicht sinken, nur wenn unsere Gelenke geöffnet sind, kann das Körpergewicht nach unten sinken und wir können trotzdem mobil und beweglich bleiben, somit schließt die Entspannung auch die leichte und instinkthafte Beweglichkeit mit ein, die wir benötigen, um in einer angespannten Situation die richtige Entscheidung zu treffen, sei es körperlich in der Selbstverteidigung oder geistig in einem Streit oder einer Diskussion oder nur im (hoffentlich nur für die anderen) stressigen Arbeitsalltag. 3. Zentriert Eine entspannte Haltung erreichen wir nur, wenn wir es schaffen uns zu zentrieren und ganz in unsere Mitte zu sein, ansonsten wird immer Anspannung entstehen, weil wir ja den Körper dauernd unnatürlich aufrecht halten müssen und jedes Ungleichgewicht erzeugt Spannungen in diversen Muskelgruppen. Sinken wir aber entspannt in unsere Mitte, dann ist da irgendwann nichts mehr, dass wir halten müssen, der Körper erledigt das von alleine und zwar ohne Verspannungen und ohne durch diese Belastung krank zu werden, wir ruhen in uns selbst. Geistig wie körperlich wird es immer schwieriger uns aus der Mitte zu bringen, uns aufzuregen, da ist nichts mehr, dass uns aus dem Zentrum bringt, nichts mehr, dass uns von uns selbst entzweit. 3. Ganzheitlich "Bewegt sich ein Punkt, bewegen sich alle“ lautet ein altes Taiji Motto. Unser Körper bewegt sich als eine Einheit, alles ist verbunden und jeder Muskel und jedes Körperteil beteiligt sich an jeder Bewegung, somit arbeiten alles in uns zusammen, um eine Aufgabe zu lösen. Da die Bewegungen zentriert und entspannt sind, benötigen wir weniger Muskelkraft und kommen nicht mehr aus dem Gleichgewicht. Auch eine Kraft von aussen schafft es immer weniger auf uns einzuwirken, da wir diese durch unsere perfekte Körperausrichtung einfach neutralisieren. Und geistig handeln wir nun ganzheitlich, da ist kein Unterschied mehr zwischen unserem Herz, also den Gefühlen und unserem Verstand. Dadurch entsteht Entschlossenheit, die nicht mehr von Zweifeln geschwächt wird. Sobald wir uns wirklich für eine Sache entschieden haben, wird diese von uns als ganzer Mensch angegangen und unsere Kräfte verpuffen nicht mehr in einem Hin und Her. All diese Aspekte üben wir in der Stehenden Säule, den Seidenfäden, der Form und den Partneranwendungen. Je mehr wir üben und je besser wir werden, desto besser können wir dies dann auch im Alltag umsetzen. Bis irgendwann kein Unterschied mehr zwischen der Taiji-Praxis und dem Alltag da ist. Dann setzen wir das Prinzip im Leben um, was ja unser eigentliches Ziel sein sollte!
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